Sich auf der Suche nach Liebe verirren

Ich weiß, wir alle haben viele Themen, über die wir im Leben sprechen möchten. Manchmal geschehen Dinge im Alltag, ohne dass wir es bemerken, die uns aber tief berühren und uns schaden, wie ein Reaktor, der uns die Energie raubt. Heute geht es um Verluste in unserem Leben. Mit Herrn Mahmuts Einverständnis möchte ich Ihnen seine Lebensgeschichte erzählen.

Mahmut Beys Eltern trennten sich, als er noch sehr jung war. Solche Trennungen in jungen Jahren bedeuten für Kinder einen schweren Verlust und hinterlassen tiefere Narben, als man sich vorstellen mag. Die Bindung zwischen Eltern und Kind ist so stark, dass das Kind diese Trennung und den damit verbundenen Verlust nicht direkt verarbeiten kann.

Mahmut Bey hatte versucht, die Trennung seiner Eltern zu ignorieren und diesen Verlust aus seinem Leben zu verbannen. Im Grunde war es ein Versuch, dem Schmerz zu entfliehen. Doch es gab kein Entrinnen vor dem Schmerz, und Mahmut Bey würde auf diesem Weg nicht die familiäre Liebe finden, die er so dringend brauchte. So blieb er, wie eine Schallplatte mit Sprung, in der Vergangenheit gefangen, unfähig zu akzeptieren, dass seine Eltern nicht mehr da waren.

Es ist schwer für Kinder, die im Strudel des Zorns ertrinken, den Eltern wie Mahmut Bey erzeugen, die sich gegenseitig rächen wollen, ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen. Dazu müssen sie den Verlust vollständig akzeptieren und den Schmerz erneut durchleben. Doch genau vor diesem Schmerz war Mahmut Bey jahrelang geflohen. Obwohl er hoffte, alles hinter sich lassen zu können, ließen die Wunde in seinem Herzen und die tiefen Risse in seinem Familiensystem dies nicht zu.

In seiner Kindheit und Jugend versuchte Herr Mahmut, die Liebe und Aufmerksamkeit seiner Mutter zu gewinnen, indem er sich wie ein Vater verhielt. Dabei erlitt er viel verbale und körperliche Misshandlung. Indem er sich wie ein Vater um seine Mutter kümmerte, widersetzte er sich der natürlichen Ordnung und verbrachte sein Leben damit, ihr Liebe zu geben. Doch er war es, der ihre Liebe brauchte. In unserem heutigen Gespräch stellten wir fest, dass er Ähnliches mit seiner Frau und seinen Kindern erlebt.

Da Mahmut Bey von seinen Eltern keine Liebe und Unterstützung erfuhr, versuchte er, diese von seiner Frau und seinen Kindern zu erhalten, indem er sich selbst wie ein Kind verhielt. Dadurch schenkten ihm seine Frau und seine Kinder Zuneigung, Liebe und Unterstützung, anstatt sie von ihm zu erhalten. Vielleicht würde dieses Beziehungsgeflecht von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Die Zeit vergeht wie im Flug, ehe wir es merken. Ich glaube, damit unser äußeres und inneres Selbst in Harmonie miteinander stehen, müssen wir uns innerlich genauso weiterentwickeln wie äußerlich.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, dies zu lesen.

Mit Liebe und Respekt.

Uğur Uğural