ZU EHREN DES VATERTTAGS

Mein verstorbener Vater und ich gingen an manchen Tagen nach Beyoğlu. Wir besuchten seinen Freund in seinem Laden und gingen dann zum İstiklal-Platz.

Mein Vater kniete sich neben mich und begab sich auf meine Augenhöhe. Wir sahen uns in die Augen. Er legte mir die Hand auf die Schulter und strich mir durchs Haar. Er rückte meine Jacke zurecht. Dann schauten wir auf die Straße hinaus. Er erzählte mir vom alten Istanbul, wie die Menschen damals miteinander kommunizierten und umgingen.

„Schau mal, mein Junge. Es ist 1953. Ich bin 20 Jahre alt. Es ist früh am Morgen. Die Leute gehen zur Arbeit. Die Frauen sind elegant und festlich gekleidet. Die Männer tragen Anzüge. Alle tragen schicke Fedora-Hüte. Jeder, ob er sich kennt oder nicht, grüßt sich lächelnd und versucht, pünktlich zur Arbeit zu kommen.“

„Guten Morgen, meine Damen und Herren. Wie geht es Ihnen?“

Und nun, heute, am selben Ort, stelle ich mir dieselbe Frage: Was hat sich über die Jahre verändert?

Vielleicht erscheinen uns im Moment Werte, deren wir uns nicht bewusst sind oder an die wir uns vielleicht nie erinnern werden, als die einzige Realität, die einzige Rolle. Doch wenn wir nur die prächtigen Farben in uns selbst und dann auch ineinander erkennen könnten, wer weiß, was wir dann entdecken würden?

Ich bin einer von euch, ein Reisender, der jeden Tag aufs Neue lernen möchte, während ich auf dieser bunten Leinwand, die wir Leben nennen, weiterhin nach der Antwort auf diese Frage suche.

Ich feiere den Vatertag von ganzem Herzen für alle Väter, die dafür sorgen, dass sich jeder in ihrem Umfeld wertgeschätzt fühlt.

Uğur Uğural