GEHEIMREGELN

Hallo, meine lieben Freunde des Lebens in meinem himmlischen Türkei, deren Gesundheit kostbar, deren Herzen gütig, deren Seelen schön und deren Bewusstsein voller Kraft ist.

Im Seminar der letzten Woche ging es um das Familiensystem und seine Regeln. Wir konnten die Familienregeln selbst und ihre Auswirkungen auf den Alltag nicht behandeln. Heute sprechen wir darüber, wie die Regeln innerhalb des Familiensystems Sie beeinflussen, unabhängig von Ihrem Alter.

Welche Regeln gelten in eurer Familie? Egal ob schön oder bitter, schreibt sie bitte klar auf. Wer sorgt für den Lebensunterhalt? Wer erledigt den Haushalt? Wer kümmert sich um die Kinder und wie? Wer verwaltet das Budget? Wer gibt das Geld aus, wie und wo? Wer hat welche Befugnisse? Wie sprechen Eltern mit ihren Kindern und wie sprechen Kinder mit ihren Eltern? Wie gehen sie miteinander um? Gibt es Liebe, Umarmungen und Respekt? Wird in eurer Familie alles offen und frei ausgesprochen? Oder herrscht ein despotisches Regime? Spricht niemand über die Regeln? Lebt ihr in einer Familie, in der Regeln tief im Unterbewusstsein verankert sind – und nicht nur in dieser Familie?

Wenn dich auch nur die Hälfte der Antworten auf die eben genannten Fragen tief im Inneren verletzt hat, wisse, dass ich denselben Schmerz empfinde. Sehr tief… Denn du hast am Ende eine vollkommen gesunde Familie…

Ich bin in der dritten Klasse der Merkez-Mittelschule. Mein bester Freund war auch mein Klassenkamerad. Heute ist er einer der führenden Herzchirurgen der Türkei. Seine gesamte schulische Laufbahn, inklusive des Antalya-Gymnasiums und der Hacettepe-Universität, ist von Bestnoten geprägt. Er ist derzeit auf dem Höhepunkt seiner Karriere und macht weiter Karriere. Er ist immer noch einer meiner engsten Freunde. Wir bezeichnen ihn sogar als Bruder. So eng sind wir verbunden. Seine Familie ist wie meine eigene. Mein Freund ist der einzige Sohn in der Familie. Ich liebe sie sehr. Sie lieben mich wie ihren eigenen Sohn. Es ist der letzte Schultag. Es ist herrliches Sommerwetter. Wir spazieren im Garten. Wir träumen vom Antalya-Gymnasium. Nächstes Jahr werden wir Gymnasiasten sein, die Aufregung ist riesig. Das Haus meines Freundes ist gegenüber. Und der Balkon seines Arbeitszimmers (wie es der Zufall will) geht direkt auf den Schulgarten der Mittelschule hinaus. Ein fantastischer Blick aus dem 20. Stock. Weil ich in einer unbeschwerten und sicheren Familie aufgewachsen bin, habe ich oft mit meinen Klassenkameradinnen Zeit verbracht und sogar Fußball und Basketball gespielt. In den Pausen haben wir gemeinsam allerlei Unfug angestellt. Am letzten Schultag waren wir alle zusammen draußen. Auch da waren wieder Jungen und Mädchen dabei. Einer von ihnen ist heute sogar ein sehr bekannter Popsänger. Früher habe ich im Schulchor Klavier gespielt, und er hat mich mit seiner einzigartigen Stimme begleitet. Jedenfalls liefen wir nach der Preisverleihung über den Schulhof. Unser Musterschüler, mein lieber Klassenkamerad, kam kurz vorbei. Wir haben uns riesig gefreut. Er hatte nicht eine einzige Neun, sondern nur Zehnen. Wir gratulierten ihm, küssten und umarmten ihn. Noch in derselben Nacht wurde er von seiner Mutter mit dem Gartenschlauch geschlagen. Ich konnte seine Beine nicht ansehen. Sie waren voller blauer Flecken und bluteten. Sein Vergehen: „Er hatte sich auf dem Schulhof mit Mädchen angefreundet.“ Dann wurden wir alle erwachsen. Doch die Erinnerungen und unbewussten Reflexionen blieben in diesem Garten. Und so viele andere.

WÖCHENTLICHER HINWEIS

In jeder Familie kommen unterdrückte Gefühle und Gedanken bei der ersten Gelegenheit ans Licht. Das betrifft nicht nur Ihr Kind, sondern auch Ihr eigenes Leben. Wer trägt also die Verantwortung? Das auffälligste Merkmal einer ungesunden Familie ist Perfektionismus. In solchen Familien sind Beziehungen zur Außenwelt wichtiger als die inneren Beziehungen.

„Du wirst der Beste sein! Bring mir einfach ein Dankeschön, sonst breche ich dir die Beine! Was werden die Leute (der intergalaktische Justizrat) dann sagen?!“ Denkt an die Kinder in den Slums, an die Herzen, die ums Überleben kämpfen. Wie wäre es nächste Woche, wenn wir statt über andere Leute über diese Kinder reden? Was meint ihr dazu?

Uğur Uğural