KRABBENKORB

Heute traf ich meinen Fischerfreund Celal Bey wieder, den ich vor zwei Monaten in Sarıyer kennengelernt hatte. Ich bestellte wieder Thymiantee, während Celal Bey einen starken, dunkelroten Tee wählte. Während unseres Gesprächs bemerkte ich, dass er sich endlich von der Zigarettenschachtel getrennt hatte, die er in seiner Hemdtasche trug. Ich freute mich für ihn. Ich fragte mich, wie er das geschafft hatte. Celal Bey deutete sofort auf den Krabbenkorb vor uns und begann zu erklären:

Als Kind fuhr ich oft mit meinem Vater aufs Meer hinaus. Er sagte immer, der Korb, in den wir die Krabben legten, brauche keinen Deckel. Seht ihr die Krabben? Jede einzelne will aus dem Korb, aber sobald eine anfängt, hochzuklettern, klettert eine andere hinterher und zieht sie wieder herunter. Jahrelang konnte ich diese offensichtliche Wahrheit nicht erkennen. Wir freuen uns, die Gedanken anderer zu entdecken, aber wir werden wütend, wenn unsere eigenen Gedanken entdeckt werden. Manchmal reagieren wir sogar negativ. Wir ignorieren die Dinge, die uns in solchen Momenten belasten, um uns nicht selbst zu verletzen.

Die Beschreibung von Herrn Celal hat mich sehr zum Nachdenken angeregt.

In unserem Leben gibt es Menschen, die wir schätzen, sogar solche, die zu festen Bestandteilen unseres Lebens werden. Wir unterhalten uns gern mit ihnen und bauen Beziehungen zu ihnen auf. Doch oft bemerken wir nicht, dass diese Menschen uns schaden und stillschweigend unsere Grenzen überschreiten. Selbst wenn wir es erkennen, ist uns möglicherweise nicht bewusst, dass die Abwehrmechanismen, die wir zum Schutz aktivieren, unbewusst wirken und vor unserem Bewusstsein aktiv sind. Dadurch binden wir uns mit der Zeit immer stärker an sie. Wir glauben, es tut uns gut. Doch wenn wir die Wahrheit erkennen, schmerzt es.

Ich habe aus diesem Gespräch so viel fürs Leben gelernt. Ich hatte das Gefühl, gewachsen zu sein und wertvolle Erkenntnisse gewonnen zu haben, und die wollte ich mit dir teilen.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, dies zu lesen.

Mit Liebe und Respekt.

Uğur Uğural