Ich freute mich, Herrn Mert, den jungen Wachmann, nach langer Zeit wiederzusehen. Nach der Begrüßung betrachteten wir gemeinsam voller Begeisterung Fotos seiner neugeborenen Tochter. Trotz der eisigen Kälte im Nieselregen war Herr Mert warmherzig. Seine Augen strahlten vor Enthusiasmus und Hoffnung. Ich gratulierte ihm zu seiner neuen Stelle und betrat das Gebäude.
An jenem Tag hatte ich ein Seminar in einer Firma in Maslak. Nach dem Seminar befand ich mich im Erdgeschoss mit den Geschäftsführern. Als wir das Gebäude verließen, schüttelte ich Herrn Mert, der gerade alle begrüßte, die Hand und verabschiedete mich. Plötzlich richteten sich überraschte und fragende Blicke auf uns. Offenbar hatten wir beide einen großen Fehler begangen, der uns nicht hätte passieren dürfen.
Als Menschen begrüßten wir einander mit den Worten „Du existierst“…
Der junge Wachmann, Herr Mert, hatte die Geschäftsführer begrüßt und sie dabei herabgesetzt, während er sich selbst überhöhte. Als ich mich von Herrn Mert verabschiedete, schüttelte ich ihm die Hand wie einem „menschlichen Wachmann“ und, schlimmer noch, stellte ihn auf eine Stufe mit den Geschäftsführern.
Nach einiger Zeit trafen wir Herrn Mert, der seinen Arbeitsplatz verloren hatte, in einem Teegarten in İstinye. Während wir unseren Thymiantee tranken, diskutierten wir über die Frage „Wie definiert die türkische Gesellschaft Begrüßungen?“ und suchten Antworten auf die folgenden Fragen:
Worin liegen in unserem Land die Gründe, warum eine Kommunikation wie „Warum haben Sie einen Fremden gegrüßt?“ zu einer Krise führen kann?
„Können wir sagen: ‚Ein Mensch ist ein Mensch, unabhängig von seiner Position oder seinem Rang. Was zählt, sind nicht soziale Rollen und Etiketten, sondern die Existenz des Einzelnen als Person. Der Mensch in dieser Position oder diesem Rang ist nicht aufgrund der Rolle, die er repräsentiert, wertvoll, sondern als Individuum‘?“
Warum fühlen wir uns unwohl, wenn wir einen Fremden grüßen oder von ihm gegrüßt werden?
Können wir als Gesellschaft sagen, dass wir das Problem der Identität gelöst haben?
Sind die Menschen meines Landes, mit denen ich dasselbe Land und dasselbe Schicksal teile, vertrauenswürdig?
Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie, unsere geschätzten Freunde, sich an dieser Unterhaltung beteiligen würden. Vielen Dank im Voraus für Ihre Zeit und Mühe beim Lesen.
Mit freundlichen Grüßen.
Uğur Uğural